Geotechnische Prozesse
Das Unglück von Nachterstedt vom 18.07.2009
Eine Zusammenstellung
Blick vom Nordufer (Schadeleben)
auf die Unglücksböschung
Luftbild des Concordia Sees vor dem Unglück,
Quelle: Google Earth
Description of the in situ situation

           Zahlen und Fakten zu Bergbau und Sanierung
Bergbau:
Im Frühjahr 1856 wurde durch Bohrungen unter nur 15 m Deckgebirge das Braunkohleflöz in einer Mächtigkeit von 40 m nachgewiesen. Das Bergamt Halberstadt ordnete den Abbau als Tagebau an.

Zwischen 1858 und 1991 wurden 251 Mio. t Rohbraunkohle gefördert, 371 Mio. m3 Abraum bewegt und 1.400 ha Land in Anspruch genommen, wovon nach der Stilllegung noch 800 ha zu sanieren waren.

Der Kohleförderung folgte der Aufbau von Kohleveredlungsanlagen. Es wurden eine Schwelerei, eine Brikettfabrik und ein Kraftwerk errichtet. 1991 wurde im Tagebau Nachterstedt der Kohleabbau aus dem Zusatzfeld Schadeleben  eingestellt.


Nach Angaben der LMBV,
siehe auch vorliegende Sanierungsberichte bis 2008

Wichtige Termine zur Flutung der Tagebaurestlöcher (TRL) waren:

•  TRL Königsaue – 1990 Einstellung der Wasserhebung und damit Beginn des natürlichen  Grundwasseranstiegs

•  TRL Nachterstedt – 19. Dezember 1996 Außerbetriebnahme der Wasserhaltungen und Beginn der natürlichen Flutung

•  29. Oktober 1998 – Vorzeitiger Beginn der Fremdwasserflutung aus der Selke als Hochwasserschutz-maßnahme und zur Gefahrenabwehr. Seit Mitte Dezember 2007 wird über eine Pumpstation mit anschließender Rohrleitung Wasser aus dem TRL Königsaue in das TRL Nachterstedt eingeleitet.

•  Wiederherstellung des Hauptseegrabens als natürlichen Vorfluter. Errichtung von 44 Grundwassermessstellen um das TRL Nachterstedt /Schadeleben zur Präzisierung des hydrogeologischen Modells.
 
•  Versatz unterirdischer Strecken und Hohlräume
Slideshow/einstellbar
Das Setzungsfließen einer Innenkippe des Tagebaues Nachterstedt
am 02. Februar 1959
Am Morgen des 2. Februar 1959 um 6:40 Uhr kam es im Tagebau Nachterstedt zu einer gewaltigen Kippenrutschung, einem Setzungsfließen. Dabei geriet das aus mehreren Kippscheiben aufgebaute 86 Meter hohe Innenkippensystem an einer Böschung auf 500 Meter Breite plötzlich in Bewegung. Anzeichen wie Rissbildungen oder Setzungen hatte es vorher offenbar nicht gegeben. Die wassergesättigten sandigen Kippmassen waren fließfähig geworden und rissen weitere schwachbindige Kippmassen mit in den Tagebau. An der Abbruchstelle bildete sich ein Rutschungskessel. Der Fuß der abgegangenen Massen hatte sich bis zu einem Kilometer weit in den offenen Tagebau vorgeschoben. Nach etwa zehn Minuten hatte der entstandene Rutschungskessel seine endgültigen Ausmaße erreicht.  Das Ausbruchsgebiet erstreckte sich über eine Fläche von ca 16,5 Hektar. Während das technische Ausmaß der Rutschung sofort nach dem Ereignis überschaubar war, konnte über den Verlust von Menschenleben zunächst keine Aussage getroffen werden. Der Zeitpunkt der Rutschung lag während der Schichtablösung des Gerätepersonals. Die ca. 5,8 Millionen Kubikmeter Kippenabraum begruben jedoch einen Bergmann sowie zwei Absetzer und einen kompletten Abraumzug unter sich. Der mit in die Tiefe gerissene  Bergmann konnte, trotz umfangreicher Sucharbeiten, auch später bei der Bewältigung der Rutschungsfolgen, nie gefunden werden. So wurde er von Amts wegen für tot erklärt. Die Kohleförderung in dem Tagebau war durch das Unglück für längere Zeit unterbrochen. Dieses Setzungsfließen war der Anlaß für Behörden, Institutionen und Unternehmen, das Rutschungsverhalten von Kippen des Braunkohlenbergbau in der DDR systematisch zu untersuchen und vor allen Dingen wurden nunmehr die Betriebe mit geotechnisch, hydrologisch/hydrogeologisch gut ausgebildetem Personal besetzt, was vorher völlig unzureichend dort vorhanden war. Das Setzungsfließen ist eine spontane Verflüssigung, insbesondere von Kippen, das durch geringste Erschütterungen (dynamische Anregung, z.B. das Fahren von Abraumzügen auf beweglich verlegten Gleisen im Tagebau) ausgelöst werden kann. Eine vollständige theoretische Durchdringung dieses Phänomens ist bisher noch nicht gelungen. In der Historie sind weitere Rutschungen im Tgb. Nachterstedt ausgewiesen, u.a. Im Jahre 1938.
Beispiele (Auswahl) aus der Bergaufsicht entlassener Flächen mit erheblichem Sachschaden - Mahnungen
Sanierung:
Die Sanierung des mit stark setzungsfließgefährdeten Altkippen beeinträchtigten Gebietes begann 1991. Zur Gefahrenabwehr wurden mit 16 Mio. m3 Abraum Böschungsstützungen vorgenommen. Rütteldruckverdichtungen zur Uferstabilisierung (Halden 1 bis 4 Na und Halde 1 Kö), 2007 Nordufer (Schadeleben) und Westufer (Slipanlage).

Durch Abspülen wurden die Böschungen der Kippen im Westen und Osten des TRL gesichert. Dabei wurden bis 1998 insgesamt 2,7 Mio. m3 Abraum bewegt. Die für die Sicherheit der Sanierungsarbeiten notwendigen Wasserhebungen wurden Ende 1996                 
Das Seelandkonzept des Concordia Sees mit touristischer Nutzung soll im Jahre 2015 mit einem Höchstwasserstand von etwa 103 Meter über NN, mit einer maximalen Tiefe des Sees von 61 Meter und einer Wasserfläche von 650 Hektar umgesetzt sein. Der Königsauer See bildet auf einer Fläche von 180 ha für Zugvögel und zahlreiche geschützte Tiere ein Biosphärenreservat.

                                                                                                 Nach Angaben der LMBV,
siehe auch vorliegende Sanierungsberichte bis 2008
Blick in den Tagebau Nachterstedt aus Richtung Schadeleben in Richtung Nachterstedt/Quelle: LMBV
Darstellung der Rutschung vom 02.02.1959/Repro: Walter Emmerling/www.mz-web.de
(1) Erst am 30. Januar 2009 war eine 27 Hektar große Fläche im ehemaligen  Tagebau Seese-West bei Calau (Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg) abgerutscht. Die Ursachen sind noch unklar. Diese Flächen waren bereits aus der Bergaufsicht entlassen worden. Das verlegte Flußbett der Klepta war 5 bis 6 m abgesackt,  umliegende Waldflächen hatte es mit in die Tiefe gerissen und Bäume schwammen nunmehr im Wasser, Eisschollen hatten es durch die Luft gewirbelt. „Es sah verheerend aus“, berichtete der  Waldeigentümer Eberhard Perschk. Die LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH) sperrte zwar das Gebiet sofort weiträumig ab, aber erst im Juni 2009 wurde das Ereignis im Braunkohlenausschuss, einem Mitwirkungsgremium für Organisationen und Verbände im Braunkohlenrevier, öffentlich. Nach einem Bericht  aus dieser Ausschusssitzung bezeichnete der Präsident des LBGR Brandenburgs, Dr.-Ing. Klaus Freytag, diesen großräumigen Geländebruch als „einen Schuss vor den Bug“ für seine Behörde. Das LBGR hatte das Gebiet aus der Bergaufsicht entlassen, also als sicher eingestuft. Die Flächen waren verkauft. Die näheren Umstände des Geländebruchs ermittelten, nach Aussagen der LMBV, Experten von LMBV und LBGR mithilfe externer Sachverständiger. Ergebnisse sind derzeit nicht bekannt.

(2) November 2008 Rutschung von ca. 600.000 m3 sanierter Fläche am Altdöberner See (Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg), dem früheren Tagebau Greifenhain. Plötzlich gab das Gelände um ca. 2 m nach.

(3) Am 09.09.2004 erfolgte gegen 8:10 Uhr an der Straße Knappenrode/Koblenz/Sachsen eine gewaltige Rutschung. Erdmassen von 30 m Länge und 5 m Tiefe bewegten sich in das Restloch des ausgekohlten Tagebaus. Ausgelöst wurde die Rutschung durch einen Bagger, der die Verfüllung des Restlochs vorbereitete. Der Bagger versank vollständig im Schlamm, während sich der Baggerfahrer noch retten konnte. Die Ortsverbindung nach Koblenz ist nun für mehrere Monate unterbrochen. Vor der Wende war dieser Straßenabschnitt bereits mit einer Warnanlage mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung  bis 30 km/h versehen. Diese wurde mit der Stilllegung des Werkes, obwohl die öffentliche Sicherheit offenbar nicht hergestellt war, entfernt. Erst am 02.10.2006 konnte der 60 t schwere Bagger aus einem dafür angelegten 70 m breiten Erdtrichter geborgen werden. 

(4) Im April 1999 war es in Hosena (Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg) zu einer Rutschung am RL Fabianteich gekommen. Das RL gehörte nicht zum Sanierungsbereich der LMBV. Ein Baufahrzeug mit drei weiteren Autos war in den Fabiansteich gestürzt, als auf einer Länge von 300 Metern ein rund 100 Meter breiter Geländestreifen abrutschte. Nach Angaben des Bergamtes Senftenberg hatte dort ein Radlader im Auftrag des Grundstückseigentümers eine Fläche planiert. Personen waren dabei nicht zu Schaden gekommen. Der Fahrer des Radladers hatte sich mit Sprung aus dem Fahrzeug retten können. Die Bergbehörde vermutete damals, dass die Absenkung des Grundwassers um mehr als einen Meter den Erdrutsch ausgelöst oder begünstigt hatte. Zwanzig Wochenendhäuser durften zunächst nicht mehr benutzt werden, eine Sanierung wurde unter der Prämisse der Verhältnismässigkeit geprüft. Sie standen auf Pachtgrundstücken am benachbarten Petermannteich. Die Grundstücke gehören überwiegend der Gemeinde Hosena, der Petermannteich ist als Naherholungsgebiet ausgewiesen. Der Fabianteich, in   
Ansicht vom 06. Juli 2009: Quelle:www.lr-online.de/mediacenter
Rutschung am Altdöberner See Nov. 2008
Quelle: Radke, Peter (LMBV), Aufnahme: Nov. 2008
 
Sicherungsarbeiten mit Rütteldruckverdichtung am Altdöberner See im Auftrag der LMBV/ Sept. 2008
Quelle: Steinhuber, Uwe (LMBV), Aufnahme: 03.09.2008
der 2 Jahre danach geborgene Bagger
Quelle: www.knappenrode.de
Das Unglück von Nachterstedt vom 18.07.2009
Eine erste Analyse
Was war geschehen?
Am 18.07.2009 gegen 4:50 Uhr versagte ein Areal von insgesamt ca. 350 m mal 120 m der Böschung des Südufers (Nachterstedter Ufer) des Concordia See (ehemaligerTagebau Nachterstedt, saniertes TRL) plötzlich die Stabilität und rutsche in wenigen Sekunden in das Tagebaurestloch (TRL).  Die Schätzung der abgegangenen Böschungsvolumina beläuft sich auf ca. 1,5 Mill. m3. Die Stabilität der Böschung versagte in wenigstens 2 Bereichen. Das schreckliche an dieser Rutschung ist, es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit 3 Menschen dabei ums Leben gekommen. Sie wurden zusammen mit ihren Häusern in die Tiefe gerissen und konnten bisher nicht, trotz umfänglicher Versuche, gefunden werden. Notwendige Rettungs- und Sanierungsmaßnahmen musste bisher unterbleiben, weil die Böschung nach wie vor rutschungsgefährdet ist und der Verlust weiteren Lebens behördlicherseits nicht verantwortet werden kann. Oberhalb der abgegangenen Böschung lag die Nachterstedter Wohnsiedlung Am Ring, wovon ein Einfamilienhaus und die Hälfte eines Doppelhauses in die Tiefe gerissen wurden. Die Siedlung ist etwa 80 Jahre alt, nicht so alt sind die meisten der Häuser. Die Wohnsiedlung, insgesamt 13 Häuser, ist wegen akuter  Gefahr im Verzug derzeit gesperrt. Was aus der Wohnsiedlung und den Häusern im einzelnen wird steht derzeit noch aus. Die Einwohner und Eigentümer dürfen diese derzeit nicht betreten und wurden anderweitig untergebracht. Gutachten und die Zukunft werden darüber Auskunft geben.  Staatsanwaltliche Untersuchungen sind umgehend eingeleitet worden. Unabhängig davon bemüht sich die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft  (LMBV) mbH um Aufklärung und hat ihrerseits Gutachter eingeschaltet.
Bildergalerie von der Sanierung des TRL Nachterstedt
Der Bereich der abgegangenen Böschung ist aus der Bergaufsicht entlassen und demzufolge behördlich als sicher eingestuft. Der unmittelbare Bereich um die Wohnsiedlung Am Ring wurde von der LMBV für eine weitere Wohnbebauung ausgewiesen. Diese stand unmittelbar bevor.

Die Kette der Verantwortlichkeiten ist eindeutig:
Die Bundesrepublik Deutschland ist Bergwerkseigentümer (Unternehmer nach Bundesberggesetz - BBergG) und Eigentümer der unter Bergrecht stehenden Flächen, insbesondere von dem Teil des Braunkohlenbergbaus, der nach der Wiedervereinigung nicht weiterbetrieben wurde. Die Eigentümerfunktion nimmt stellvertretend das Bundesfinanzministerium wahr. Das BMF hat diese Aufgabe und die damit im Zusammenhang stehende Sanierung (Wiedernutzbarmachung) der LMBV mbH übertragen. Die dafür notwendigen Finanzmittel stellt ein Verwaltungsabkommen, an dem auch die Länder Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen prozentual beteiligt sind, bereit. Über einen Steuerungs- und Budgetausschuss werden diese nach Haushaltsrecht bewirtschaftet. Die Leistungen selbst werden zumeist ausgeschrieben und durch private Fachfirmen ausgeführt.  Den Ausweis als Fachfirma für diese Arbeiten verlangt das BBergG zwingend. Die Länder sind einerseits über die Fachaufsicht, andererseits über Regionalplanung an der Sanierung der in ihren Landesgrenzen liegenden Flächen beteiligt. Über die Fachaufsicht entscheidet zunächst das BBergG, d.h., die fachbehördliche Aufsicht und Genehmigung der Arbeiten obliegt den jeweiligen Landesbergämtern. Diese ziehen je nach gesetzlicher Lage, Bedarf und Aufgabenstellung weitere Landesbehörden, so die Wasserbehörden, die Umweltbehörden etc hinzu.  Allerdings sind die Landesbergämter sehr unterschiedlich organisiert. In Sachsen-Anhalt ist das Landesbergamt im Landesamt für Geologie und Bergbau (LAGB) aufgegangen, in Sachsen hat das Sächsische Oberbergamt Freiberg (SOBA) die Fachaufsicht. Gemeinsam ist allerdings allen Fachbehörden der Länder, dass sie obere Landesbehörden sind und damit  unmittelbar einem Ministerium unterstellt. In Sachsen-Anhalt ist das LABG als obere Landesbehörde im Geschäftsbereich des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit, in Sachsen ist das SOBA ebenfalls im Geschäftsbereich des Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit. In anderen Ländern ist dies davon unterschiedlich geregelt. Für eine Untersuchung bzw. für ein Gutachten ist dies insofern von Bedeutung, weil in einem MinisterIn durchaus zwei Herzen schlagen können, das fürs Bergrecht und das für die Regionalplanung.

Unmittelbar nach dem Unglück wurden einige Vermutungen in den Raum gestellt, ohne die Wahrheitswahrscheinlichkeit näher zu präzisieren. Dies waren insbesondere:
- Bei der gegangenen Rutschung handelt es sich um ein Setzungsfließen?
- Die gegangene Rutschung ereignete sich unvermittelt, es gab vorher keine Anzeichen auf mögliche Rutschungsgefahr?
- In der Böschung bzw. in deren unmittelbarer Umgebung hätten sich nicht kartierte und damit unverfüllte Hohlräume aus dem
 Altbergbau befunden, die die Ursache der Rutschung gewesen wären?
- Es handelt sich um einen Einzelfall, weitere Rutschungen an sanierten Flächen der LMBV hätte es nicht gegeben?
- Das TRL Nachterstedt ist nach der von der LMBV entworfenen und von den Behörden genehmigten und zugelassene
 letztendlich den  Stand der Technik bestimmenden, Technologie saniert worden?

Anmerkungen dazu:
- Die Art der Rutschung ist für das Unglück und die Betroffenen ziemlich unwichtig, allerdings für die Aufklärung der Ursachen von eminenter Bedeutung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der gegangenen Rutschung um kein Setzungsfließen. Dabei kann die Spontanität der Rutschung nicht bestritten werden, allerdings weisen die vorhandene Zusammensetzung des Rutschungskörpers (Lockergestein) als auch die hohe Instabilität des Böschungsrestkörpers auf eine andere Rutschungsart und damit auf eine andere Ursache der gegangenen Rutschung hin. Zwar gab 2007 gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung (siehe Dieter Valtink, Naumburger Tageblatt) ein Sachverständiger für Böschungen zu Protokoll, dass „das Problem im Tagebau Nachterstedt der Grüne Sand sei“, doch kann dieser in der Unglücksböschung nicht vorgelegen haben, denn da dies bekannt war, wäre dieser aus dem Böschungskörper zur akuten  Gefahrenabwehr längs entfernt worden.
- Dies ist bereits sowohl durch die Aussagen der Bewohner der betroffenen Wohnsiedlung als auch durch den Bürgermeister von Nachterstedt wiederlegt. Übereinstimmend wurde von eigenartigen Geräuschen (Grummeln, Rauschen)aus dem Böschungskörper Tage vor der Rutschung als auch von Rissen und kleineren, örtlich begrenzten Geländebrüchen im Bereich der Wohnsiedlung und der Böschung berichtet.
- Die Aussagen der LMBV und der Genehmigungs- und Fachbehörde LAGB sind gegensätzlich, unverständlicher Weise. Denn sowohl die LMBV, in ihren  Sanierungsberichten, als auch das LAGB weisen erhebliche Maßnahmen bei Versatz von Strecken und Hohlräumen, insbesondere im Bereich der Südböschung des Concordia Sees, in ihren Sanierungsberichten aus. Unversetzte Hohlräume, als Ursache der Rutschung , sind unwahrscheinlich, auch aufgrund des vorliegenden Randbedingungen unmittelbar vor der Rutschung und im Ergebnis des vorliegenden Rutschungskörpers.
- Jedes Bergbauobjekt ist ein Einzelfall, es gibt es nur an einem Ort und unter den jeweils vorhandenen Bedingungen. Deshalb ist die jeweilige (Sanierungs-)Technologie auch immer konkret auf das jeweilige Bergbauprojekt auszurichten. Nur  eine restlose, zuverlässige Aufklärung dieser verheerenden Rutschung lässt die Chance, Vertrauen in die Ergebnisse der Bergbausanierung zurück zu gewinnen. Die bisher getätigten Aufwendungen in der Bergbausanierung  Ostdeutschlands sind immens. Auf die letzte Frage ist damit ebenfalls eingegangen.

Vorliegende Bedingungen zum Zeitpunkt der Rutschung von 18.07.2009
 Der Pegel des Concordia Sees stand zum Zeitpunkt der Rutschung bei ca. 82 mNN, die Wassertiefe betrug ca. 40 m (siehe www.foerderkreisseenland-ev.de, Angabe vom 25.06.2009). Der Grundwasserspiegel dürfte etwa ein ähnliches Niveau gehabt haben, allerdings mit deutlicher Zunahme mit der Entfernung zum Seeufer. Nach Auswertung zugänglicher Daten kann ein mittlerer Druckgradient von ca. 0,4 bar/m unterstellt werden,  unter dem das Grundwasser über die Böschungen dem TRL zufloss. Der Druck unter dem das Grundwasser über die Sohle in das TRL aufstieg, wird auch durch die aktuelle Seetiefe bestimmt.  Im Bereich des TRL Nachterstedt hat die LMBV 44 GWM-Stellen im Rahmen des Monitoringkonzeptes errichtet und betrieben. Damit kann eine ausreichend genaue Modellierung der hydraulischen Verhältnisse des TRL Nachterstedt vorgenommen werden. Die Pegelstände werden kontinuierlich überwacht und registriert. Allerdings handelt es sich hierbei „nur“ um Pegel, die eine Brunnenfunktion nicht erfüllen können. Die Einrichtung von Förderbrunnen zur Regulierung des Wasserstandes sind nicht Gegenstand des Flutungskonzeptes der LMBV. Auf die Nachterstedter Böschung lag (liegt) ein erheblicher Druck, wie sich aus dem existierenden Druckgradienten des zusitzenden Grundwassers ableitet. Die LMBV hat einige Regelwerke herausgegeben, nach denen die Gestaltung der Tagebaurestseen für deren Nachnutzung und/oder Einpassung in die Natur vorgenommen werden sollte [2 Beispiele: „Empfehlungen und Bemessungsgrundlagen für die Gestaltung von Tagebaurestseen“, Berlin/Senftenberg/Frankfurt(Oder)/Freiberg/Dresden und „Empfehlungen und Bemessungsgrundlagen für das Bauen auf bindigen Mischbodenkippen der Braunkohlentagebaue im Mitteldeutschen Revier“, Berlin/Espenhain/Freiberg/Halle/Karlsruhe/Leipzig/München/Offenbach/Senftenberg]. Also, auch Vorschriften für eigenes Tun. Die Südböschung (Nachterstedt) galt als vollständig saniert.  Vergleicht man einige Vorschriften mit den insitu Verhältnissen der Nachterstedter Böschung des Concordia Sees wird man nachdenklich, die Rückgriffsweite betrug bei der Siedlung Am Ring höchstens 120 m (aktuell o m), die Böschungsneigung war größer als 1:3  (aktuell ca. 70°), eine Überwachung der Bauwerke auf Kippen (Monitoring der Verschiebungen , Spannungsmessungen, Schwingungsmessungen) war (ist?) nicht vorgesehen. Sicherungsmaßnahmen an der Böschung gegen Wellenschlag und Erosion (Einbau z.B. von Geosynthetics) sind nicht bekannt.

  Nun sind Unglücke bei großen Baumaßnahmen, die Sanierung der TRL in der Lausitz und in Mitteldeutschland sind auch und insbesondere gewaltige Landschaftsbauwerke, nie völlig auszuschließen. Eine solide Versagensvorsorge setzt aber sowohl die Ehrfurcht vor der Größe der Aufgabenstellung  mit der Verantwortung vor Mensch und Natur genauso voraus, wie die Anwendung  und Weiterentwicklung des Sachverstandes und der vorhandenen bereits erheblichen Kenntnisse über die Lösungsmöglichkeiten und die Abläufe bei solchen komplexen naturwissenschaftlichen und sozialen Herausforderungen, für jeden Einzelfall. Diese Aufgabenstellung ist nicht trivial. Eine weitestgehende, umfassende Überwachung gefährdeter Bauwerke, ist vielerorts Standard. Wenn das Vertrauen in die Ergebnisse und Leistungen, insbesondere in die ostdeutsche Bergbausanierung, wieder hergestellt werden soll, dann sind zuerst diese Mindestanforderungen zu erfüllen, auch weil damit Zukunftshoffnungen in den betroffenen Regionen verbunden sind. Wenn ich hierzu einen kleinen Beitag leisten könnte, wäre es mehr als eine Referenz an die Aufgabenstellung.
Bildergalerie von der Südböschung des Concordia Sees mit Nachterstedter Wohnsiedlung Am Ring vor und nach dem Unglück  und dessen Ausmaß
Halde 4, profiliert und verdichtet mit RDV
Uferbereich Schadeleben, dort ging letzter Bergbau um, profiliert, verdichtet mit RDV und Stützanschüttung mit Wasserbausteinen
Halden 2 und 3, profiliert und verdichtet mit RDV
Westufer, profiliert und verdichtet mit RDV
Ehemalige Brikettfabrik , rückgebaut und Lage  „Werkpfeiler“, Lage ist fast identisch mit dem großen Rutschungskessel
Luftbild: Quelle: LMBV, Radtke, Peter, 2008, Luftbild: Wohnsiedlung Am Ring und Aussichtspunkt "Seeland"
Flurkarte/Diss.  Balaske, P. (1998),
MLU Halle-Wittenberg
Luftbild des Rutschungskessels, Quelle: © Lisso/Witte/Lersow 29.07.2009, 17:52 Uhr
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Rütteldruckverdichtungen an der Halde 3 des TRL Nachterstedt
Quelle: Lersow/www.harz-saale.de
Mögliche Ursachen der Rutschung der Südböschung (Nachterstedt) des Concordia Sees:
Einflüsse auf die am 18.07.2009 gegangene Rutschung der Südböschung des Concordia Sees gibt es sicher viele, aber nur wenige werden auslösend gewirkt haben. Die Nachterstedter Wohnsiedlung Am Ring wurde in den 20 ziger und 30 ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet. Die meisten der Häuser wurden aber nachträglich in unterschiedlichem Umfang saniert. Einer der letzten Abbaue im Tgb. Nachterstedt war der Abbau des „Werkpfeilers“ der Brikettfabrik Nachterstedt. Die Brikettfabrik und der „Werkpfeiler“ müssen dem Bereich der Südböschung zugerechnet werden. Der Rückbau der Brikettfabrik erfolgte im Auftrage der LMBV. Eine großräumige Auskofferung dieser Industriefläche wurde nicht vorgenommen und damit auch keine zusätzlichen Böschungssicherungsmaßnahmen durchgeführt. An der Westböschung erfolgte eine komplexe Sanierung der vorhandenen Deponie, eine Verfüllung der Auskofferung mit inertem Material und eine teilweise Tiefenverdichtung und somit Baugrundverbesserung war Bestandteil dieser Sanierungsmaßnahme. Auf der Böschungskrone der Südböschung wurden einige Bauwerke neu errichtet, wie der Aussichtspunkt „Seeland“, der durch die Rutschung ebenfalls erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dazu kamen eine Zufahrtstraße, eine Zuwegung zum Ufer des TRL und weitere oberflächige Befestigungsmaßnahmen. Die Böschung war begrünt aber kaum mit Busch- oder Baumbewuchs versehen. Zur Böschungskrone hinzuzurechnen ist die Eisenbahnlinie, die an einigen Stellen nur ca. 500 m von der Tagebaukante entlang führt. Zur Fremdflutung wurden Zuleiter errichtet: am Westufer der Selke-Überleiter (2004, 24.000 m3/d) und am Ostufer der Königsauer-Überleiter (Überschusswässer, 2007). Beide sind durch Rohrleitungen in den Concordia See eingebunden. Die Einläufe liegen nicht in der Südböschung und leiten seewärts ein. Der Königsauer-Überleiter wurde durch die Rutschung stark beschädigt.
Zusitzen der Gundwässer über die Böschung mit ungeminderter Durchlässigkeit in den Concordia See
Gebiet
Lage Bahnstrecke zum Südufer des Concordia Sees, unmittelbar auf der Böschungskrone
Durch die am TRL Nachterstedt durchgeführten Verdichtungs-maßnahmen der ursprünglichen Halden 2 bis 4 Na und der Anlegestelle für die „Seelandperle“ wurde das Südufer faktisch eingespannt, siehe transparente Fläche. Die Durchlässigkeit ist damit gegenüber den angrenzenden, mittels RDV verdichteten, Arealen sehr groß, so dass das unter einem erheblichen Druckgradienten stehende Grundwasser über die Südböschung dem Concordia See zufloss. Es unterströmte natürlich auch die Nachterstedter Wohnsiedlung Am Ring. Bei in Böschungen ohnehin vorhanden Inhomogenitäten ist es deshalb nicht unwahrscheinlich, dass so auch ein zusammenhängender Hohlraum durch das Wasser gebildet wurde. Dass sich durch den permanenten Grundwassereinfluss zwischen bindigen und rolligen Schichten eine Gleitfläche ausbildete, in der die Scherfestigkeit im Laufe der Zeit soweit abnahm, dass die Stabilität der Böschung nicht mehr gegeben war, ist zwangsläufig, lediglich der Zeitpunkt des Versagenseintritt war somit unbestimmt. Da u.a. ein Verschiebungsmonitoring nicht installiert war, entstand zunächst der Eindruck, das Anzeichen für ein mögliches Versagen der Böschung nicht vorhanden waren.
Bild oben:
RDV der Anlegestelle der Seelandperle,
Quelle: www.panoramio.com,
ID: 17524558
Bild unten:
Blick auf Aussichttspunkt Seeland,
Quelle: www.harz-saale.de
Bild des Concordia See
Quelle: Service der www.concordia-see.de
abgesackter Straßenabschnitt
Vergleiche auch obenstehende und nebenstehende Bilder sowie Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (GeoBasis-DE, DOP-Viewer) sowie Diss. von P. Balaske (1998): „Die Erschöpfung der Lagerstätte zwang später zum Abbau der Sicherheitspfeiler der Brikettfabrik und des Kraftwerkes Nachterstedt, unter der Bezeichnung „Werkpfeiler“ von 1975-1986, sowie des „Sportplatzpfeilers“ (1986-1990) nördlich des heutigen Bahnhofs“
Nachterstedt_Landslide.asf
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Mighty landslide of a housing estate in a remediated, abandoned lignite mine site
Content
Description of the in situ situation

- Geotechnical basis facts
- Geological facts
- Facts from the history of the abandoned lignite mine site
- Facts from the history of remediation and planning state
- Set of basis equations
- Set of boundary conditions and triggers
- Set of required geotechnical state parameters
- Suggestion for a longterm monitoring and warning system for remediated, abandoned mine sites with raised failure likelyhood
Results of numerical calculations (FEM, SLM)

Likeliest failure reasons
Conclusions and suggestions to advoidance of such geotechnical disasters



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Blick vom Westufer
(von K 2368)
auf die Unglücksböschung
Luftbild des Rutschungskessels,
Quelle: © Lisso/ Witte/Lersow
29.07.2009, 17:52 Uhr Zur Vergrößerung photos anklicken,
Video zum Vorgang
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Geotechnische Modelle 
zur Beuteilung des Versagenseintritt

Geotechnical Modelling for judgement of the start of failure

Pages in Development
16.08.2009
Das Video zum Vorgang
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